Aktuelles

Spurensuche

Benning hat in München im Stadtmuseum und im Lenbachhaus ebenso ausgestellt wie im Haus der Kunst und im Kolumba Museum in Köln. Das Lenbachhaus, das Kolumba Museum, aber auch das Victoria & Albert Museum und das British Museum besitzen Arbeiten von ihm, letztere aus der Zeit, als Benning noch in London lebte. In München pflegt die Galerie Huber seit vielen Jahren Bennings photographisches Werk.

Gegenwärtig, noch bis zum 23. Februar, zeigt das Münchner Stadtmuseum ein von Hermann Kleinknecht und Kurt Benning begonnenes Video-Projekt in der Ausstellung „Gesichter der Stadt“ mit rund 50 einstündigen Porträts von unbekannten und bekannten Münchner*innen.

Benning war mit vielen Künstlern befreundet und hat mit ihnen zum Teil umfänglich korrespondiert. Er war ein aufmerksamer Beobachter der Münchner Kunstszene und war bei wichtigen Ausstellungen in Münchner Galerien stets zugegen. 2008 hatte er selbst eine umfangreiche Ausstellung in der Rathausgalerie.

Die Kurt Benning Stiftung erforscht das Leben des Künstlers. Anlässlich seines Geburtstages wollen wir damit beginnen, Spuren seines Wirkens ins Netz zu stellen. Damit möchten wir allen, die Kurt kannten, bitten und ermutigen, uns bisher unbekannte Facetten seines Lebens mitzuteilen. Diese Beiträge werden in der neuen Rubrik “Spurensuche” veröffentlicht.

Den Anfang dieser Initiative machen wir mit Zitaten aus einem Brief von Kurt an einen langjährigen Freund vom 26.10.2005. Kurt berichtet darin von einer Jubiläumsausstellung „Kurt Benning/Dieter Krieg“ zum 30. Bestehen der Galerie Heinz Herzer in München. Benning schätzte Krieg seit Jahren, kam aber erst durch diese Ausstellung mit ihm intensiver ins Gespräch. Vor der Ausstellung hatte sich „aus sachlichen Gründen“, wie Kurt mitteilt, „notwendigerweise ein intensiver Telefonkontakt entwickelt, mit dem vorläufigen Ergebnis, dass jetzt, heute …die Literatur wichtiger sei als die Malerei“. Krieg war bekannt für seine Belesenheit in der Literatur des 20. Jahrhunderts und bezog daraus Impulse für seine Malerei. In seinem Brief fährt Kurt fort, dass er Krieg Sebalds „Ringe des Saturn“ empfohlen und ihm das Buch auch geschickt habe, „was er auch gleich zu lesen begann“.

Krieg konnte an der Ausstellung in der Galerie Herzer nicht teilnehmen und fehlte demzufolge auch beim nachfolgenden Abendessen. Kurt schickte Krieg einen Bericht „über den Verlauf des Abends, der mit einem Dtz. handverlesener Gäste im Cohen’s endete.“ Seinen Bericht ergänzte er mit einer Zeichnung der Tischordnung des Essens, und diese Zeichnung wiederholte er in seinem Bericht an den Freund. Dass der ebenfalls eingeladene Kunstkritiker der Süddeutschen Zeitung Gottfried Knapp an diesem Abend dem Galeristen Herzer sein neuestes Buch „über Teufels-Darstellungen“ schenkte, war Kurt ebenfalls eine Mitteilung wert.

Genau einen Monat später, am 26.11.2005, ist Dieter Krieg an seinem Wohnort in Quadrat-Ichendorf (NRW) gestorben. Gottfried Knapp verfasste für die Süddeutsche Zeitung am 29. November einen Nachruf und würdigte dessen Lebenswerk.

Zur neuen Rubrik Spurensuche

 

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Videoportraits

1996 entwickelten die Künstler Kurt Benning (1945-2017) und Hermann Kleinknecht (geb. 1943) das Langzeitprojekt „Videoportraits“. Ihr Konzept bestand darin, Protagonisten der Münchner Kunstszene, aber auch Menschen aus allen sozialen Klassen, unterschiedlichen Berufsgruppen und jeden Alters darüber sprechen zu lassen, was sie bewegt. Entsprechend vielfältig sind die (Selbst-)Darstellungen, die sich nicht nur im Gesprochenen, sondern auch in Stimme, Gestik und Körpersprache manifestieren. Durch die Vielzahl und die Unterschiedlichkeit der Porträtierten geben die „Videoportraits“ einen Querschnitt durch die Münchner Gesellschaft unserer Zeit. Unter der Überschrift “Bilder für Alle” stellt die Ausstellung ergänzend einige offene, “demokratische” Porträtprojekte von Kerstin Schuhbaum, Barbara Donaubauer / Ulrike Frömel, Jadranka Kosorcic, Gabriele Drexler und Timo Dufner vor. Diese zeitgenössischen Arbeiten ergänzen die umfangreichen, stark historisch geprägten Porträtbestände der Sammlungen des Münchner Stadtmuseums und suchen neue Wege der Repräsentation der Bürger*innen zwischen Individuum und Typus.

 

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FIXIERT
IMAGE UND IMAGINATION
kuratiert von Christian Gögger

GALERIE KÖLN 22. NOVEMBER 2019 – 24. JANUAR 2020
ERÖFFNUNG FREITAG, 22. NOVEMBER 2019, 18 – 21 UHR

BURG LEDE BONN 23. NOVEMBER 2019 – 24. JANUAR 2020
ERÖFFNUNG MIT KÜNSTLERGESPRÄCH AUF BURG LEDE BONN
SAMSTAG, 23. NOVEMBER 2019, 12 UHR

In dieser Gruppenausstellung wird Kurt Bennings Arbeit SHOPWINDOWS zum Teil in Bonn und zum Teil in Köln präsentiert.

 

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Aus dem Pressetext des Tiroler Landesmuseums:

Über Jahrzehnte beschäftigte sich der Münchner Künstler Kurt Benning (1945–2017) mit der Idee zu einer Skulptur, in der die Klarheit der Geometrie mit der Magie der Zahlen, die Statik einer Steinskulptur mit der Bewegtheit ihrer Formen in Verbindung bringen wollte. Er suchte nach einem Platz, an dem sein schlicht nur „Kubus“ genanntes Werk seine Wirkung entfalten kann, ohne mit Monumentalität auftrumpfen zu müssen. Im Tiroler Außerfern, auf der Ostseite der Allgäuer Alpen fand er ihn – weitab von allen Orten der bildenden Kunst. Die Erhabenheit des Alpenpanoramas und eine auf schlichten geometrischen Formen basierende Skulptur – kann das funktionieren?

Wanderer auf dem „Jubiläumsweg“ in den Allgäuer Alpen entlang der deutsch-österreichischen Grenze können dies nun selbst erfahren: Ein scharfkantig zugeschnittener Kubus mit 224 cm Kantenlänge steht gegen das kleinteilige Chaos am Ende eines Geröllfelds. 28 Tonnen schwere Steinblöcke umschließen wechselweise stehend und liegend eine quadratische Aussparung und umkreisen still dieses Nichts in der Mitte des Kubus.

„Hoch über dem Schwarzwassertal im Tiroler Außerfern fand der Künstler einen idealen Ort für sein Projekt. Vor dem engen Kar, das hinauf zur Bockkarscharte führt, ruht der Kubus wie auf einer organisch gewachsenen Aussichtsplattform. An diesem markanten Ort entfaltet das menschengemachte Gebilde größte Wirkung, ohne dieses seltene Stück unberührter Alpen zu beeinträchtigen.“ zeigen sich PD Dr. Wolfgang Meighörner, Direktor der Tiroler Landesmuseen und die Vertreter der Kurt-Benning-Stiftung, Peter Pinnau und Dr. Andreas Strobl, beeindruckt.

Es schien zuerst unmöglich, die gewichtige Skulptur an der vorgesehenen Stelle zu setzen. Doch Kurt Benning gab nicht auf. Er konnte noch die Projektgenehmigung in Tirol einholen, konnte die Blöcke im Schwarzachtobler Hartsandstein zuschneiden lassen und eine Schweizer Helikopterfirma für den Transport gewinnen. Nur bei der endlich geglückten Verwirklichung im Oktober 2018 war er nicht mehr dabei.

In einer spektakulären Aktion wurden am 17. Oktober 2018 von einem Lastenhubschrauber und unter der Regie der Steinmetze Franz und Christopher Probst aus Füssen im Allgäu die Steine der Skulptur an Ihren Bestimmungsort gesetzt. Es entstanden dazu zwei Filme: Herbst & Herbst Media aus Wiesbaden dokumentierten die Dramatik der Aktion. Die Künstlerin Cordula Schieri aus München schuf eine Hommage an Kurt Benning und seine Idee einer Steinskulptur in den Bergen.

Beide Filme werden von Direktor Wolfgang Meighörner beim Tag der offenen Tür der Tiroler Landesmuseen am 26.10.2019 um 15 Uhr in der Aula des Ferdinandeums, bei freiem Eintritt, präsentiert. „Wir eröffnen sozusagen die Ausstellung nicht am Berg, sondern im Tal und hoffen, dass viele Wanderer den Blick auf den Kubus genießen werden“, so Meighörner.

zur KUBUS-Seite im Kurt Benning Archiv

 

 


 

“Wolken”, Kurt Benning: Photos

Galerie Kurt Huber, Schmellerstraße 19 Rgb. 80337 München

Besichtigung nach Vereinbarung: Tel. 089 / 76 72 90 93

16. Oktober – 16. November 2019

 

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Gruppenausstellung:
Die Entdeckung des Sichtbaren

 

Im Schloss Untergröningen

73453 Abtsgmünd – Untergröningen

 

Eröffnung:
Freitag, 10. Mai, um 19:00 Uhr
Begrüßung: Bürgermeister Achim Kiemel
Einführung: Christian Gögger (Kurator der Ausstellung)

Dauer der Ausstellung:
11. Mai bis 21. Juli 2019

Öffnungszeiten:
Sa 14 bis 18 Uhr, So 11 bis 18 Uhr, Feiertage 11 bis 18 Uhr

 

 

Die Ausstellung versammelt 20 Positionen der Fotografie aus den unterschiedlichsten Zusammenhängen: Fotografie als Dokument, als Werbung, als Kommentar; Fotografie aus und für Politik, Ökonomie und Gesellschaft; Fotografie als Kunst und schließlich Fotografie, die sich selbst reflektiert. Es ist heute möglich, all diese Aspekte innerhalb der Kunst zu verhandeln. Die Fotografie ganz allgemein – vorausgesetzt überzeugende Qualität und ein handwerklich wie ästhetisch hoher Anspruch – ist für öffentliche und private Sammlungen von zentralem Interesse.

Seit der ersten Ausstellung des Kunstvereins KISS im Jahr 2000 haben die Themenausstellungen auf dem Schloss immer versucht, Kunst aus der Region mit überregionalen, gar internationalen Positionen zusammenzubringen. Nur einmal – im Jahr 2008 „Ausgezeichnet. Im Kraftfeld der Linie“ – galt das Thema des Kunst- und Kultursommers ausschließlich einem Medium: der Zeichnung.
Dieses Jahr ist es wieder soweit: die Fotografie wird mit weitreichender Ausschließlichkeit (nicht nur) die Räume und Flure des Schlosses besetzen, sondern auch ins Dorf hinein ausgreifen.

Der Fotografie kommt seit geraumer Zeit im Kontext zeitgenössischer Kunst eine vorrangige Stellung unter den künstlerischen Medien zu. Die Digitalisierung des Bildes hat sowohl die Bildproduktion revolutioniert wie auch unseren Umgang mit Fotografie. So ist die der Fotografie wesentliche Abbildungsfunktion von Wirklichkeit außer Kraft gesetzt, sie kann beliebig manipuliert oder, freundlicher formuliert, gestaltet werden. Alles durch den Apparat Fixierte, im Spektrum zwischen Image und Imagination, liefert ab jetzt gehörigen Stoff für den ästhetischen Diskurs.

In der Gesamtschau zeigt sich, dass man für die Auswahl der Fotografinnen und Fotografen zu dieser Ausstellung kaum in die Ferne schweifen musste, denn die Guten sind ziemlich nah.

Zu den Künstlern und Werken:

Wenn es Werbe-Ikonen gibt, dann wohl auch Werbe-Ikonographen. Zwei der herausragenden unter ihnen, mit internationaler Bedeutung, sind Dietmar Henneka und Dieter Blum, deren inszenierte Magazinfotos für Mercedes, Porsche, Shell und Marlboro legendär sind. Als jüngeres Pendant gehört hier auch Jürgen Altmann dazu, der im Rahmen der Modefotografie eine Hi-end Märchenstunde an unglaublichen Orten in Szene setzt. An das ortsspezifische knüpft seine Streetphotography an.

Für eine moderne, ästhetische Sachfotografie steht die Arbeit von Adolf Lazi, einem Fotopionier, der ab den 1930er-Jahren bildnerische Maßstäbe setzte und sie in seiner Stuttgarter Fotoschule auch lehrte. Hansi Müller-Schorp leitete ab 1980 das Fotostudio von Willi Moegle, ein weiterer bedeutender deutscher Produktfotograf. Bemerkenswert früh entstehen ihre perfekten, kühl poetischen Stillleben, auf der Basis dieser kommerziellen Sachfotografien, noch ohne die Intention Kunst zu produzieren.

Die beiden Fotojournalisten Guido Mangold und Will McBride haben in den 1960er-Jahren für das Magazin twen das Selbstverständnis der jungen Bundesrepublik bebildert. Einige ihrer Fotos haben als Inkunabeln ins deutsche kollektive Gedächtnis Eingang gefunden: Willy Brandt neben John F. Kennedy im offenen Wagen; die Porträts von Donna Summer und Uschi Obermaier; die über viel Jahre das Magazin GEO prägenden Landschafts- und Kulturaufzeichnungen.

Ausgangspunkt für die Arbeiten von Ulrich Schmitt und René Kanzler ist die künstlerische Fotografie. Beide aber hinterfragen das Medium systematisch. Schmitt widmet sich mit Akribie der Geschichte der mit der Fotografie verbundenen Chemographie, René Kanzler arbeitet auf der Basis soziologisch-wissenschaftliche Voraussetzungen für die Bildproduktion und -rezeption. Beider Reflexionen sind für den Betrachter auf eindringlich sinnliche Weise erfahrbar.

Für die jungen Fotografinnen Menja Stevenson und Ann-Kathrin Müller ist das Medium Fotografie schon umstandslos ein künstlerisches. Ganz selbstverständlich zeichnet Menja Stevenson in ihren Arbeiten urbane Impressionen Tokios in Farbe und Form auf und überführt sie in diaphane Leuchtkästen. Ann-Kathrin Müller greift für ihre subtil inszenierten Schwarzweißfotos auf klassisch künstlerische Kompositionsmomente von Raum, Figur und Gegenstand zurück, welche den emanzipatorischen Prozess des Fotos zum Kunstwerk begleitet haben.

Zum ersten Mal wird ein Teil der Ausstellung im Ort Untergröningen selbst stattfinden. Jutta Görlich und Edward Beierle fangen in ihren Fotoperformances Gerüchte und Geschichten aus dem Dorfleben ein und spiegeln sie an Toren, Fenstern und Mauern in den Dorfalltag zurück.

Zwei Positionen bedienen sich der Fotografie als eine Art Selbstvergewisserung eigener Arbeit in anderen Zusammenhängen. Die seriell angelegten Bildfolgen von Helmut Stromsky entdecken in Natur und Landschaft minimalistische Strukturen, die seinem Verständnis als Bildhauer und Zeichner sehr nahekommen. Scarlet Berner nimmt sich die lausigen Abbildungen aus Carl Einsteins Buch Negerplastik von 1915 zum Vorbild und rearrangiert eigene Fotos, die primitive Plastik unterstellen. Im beinahe Unkenntlichen offenbart sich das Typische. Gleichzeitig bilden sie den Hintergrund für ihre krude-schönen, einfachen Keramiken.

Einer der bedeutendsten Wissenschaftsfotografen hat seine ersten Exponate im Kontext der ZERO-Kunst der 1960er-Jahre vorgestellt. Manfred Kage ist u.a. der Pionier für die polychrome Fotografie durchs Mikroskop und die Sichtbarmachung von Ton und Schall mit psychedelischem Dimensionen.

Die Künstler Wolfgang Gäfgen und Kurt Benning eint der Umstand, dass die Fotografie nur einen Teil ihrer künstlerischen Arbeit ausmacht. Für ersteren eröffnet das Fotografieren einen obsessive Parallel-Welt zum Zeichnen, Malen und Drucken. Ein sehr eigener surrealer Kosmos aus Licht, Schatten und Spiegelung wird darin aufgespannt. Benning dagegen zeichnet auf, dokumentiert, überhöht: im Porträt, auf der Straße, im Erfassen von Objekten. Zuletzt, 2017, ehrte ihn eine große Präsentation im Museum Kolumba in Köln.

Marcus Neufanger markiert einen Gegenpol zur Lichtbildnerei: er zeichnet! Seine Porträts fixieren internationale Stars der (Foto-)Kunstszene, typisiert in Bild und Wort. Die Beschäftigung mit Fotografie als Kunst wird bei ihm omnipräsent.

Eigentlich kommt Stefanie Maier vom Film. Deshalb vielleicht sind ihre Aufnahmen als Fotosequenzen angelegt. Die Magie des Einzelbildes einerseits und der Bildfluss eines ganzen Storyboards andererseits halten sich in ihren Arbeiten die Waage.